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Friday, 26. April 2013

Von: Alex Sonnenfeld

Anatonie

Im folgenden Artikel widmet sich diese Arbeit dem Tonkörper, also jenem Material, welches in Folge der instrumentellen Bewegungsabläufe verformt wird.  In der Bewegungslehre wird jede Form von Akustik als gleichberechtigt betrachtet und kann für die musikalische Arbeit genutzt werden. Diese Aussicht macht es allerdings um so notwendiger, ein entsprechendes Ordnungsprinzip für die klangliche Vielfalt zu entwerfen. Schon die ?musique concrete? zeichnete sich durch entsprechende

Überlegungen aus: ?Die verschiedenen Klangtypen werden als Grundkonstellationen der Hörwahrnehmung, also nicht nur der Musik

im Bereich der Klänge, die um ihrer selbst Willen gehört werden, sondern

auch der Sprache, deren Klänge als Übermittler von Bedeutungen aufgefaßt werden, und der Umweltgeräusche, deren Klänge als Verweise auf reale Vorgänge wahrgenommen werden (Schaeffer 1952 /67). Hieraus ergibt sich insbesondere, daß als Ausgangsmaterialien

der musique concrète nicht nur die Klänge standardisierter Musikinstrumente oder menschlicher Gesang in Frage kommen, sondern auch Stimmäußerungen von Menschen und Tieren oder beliebige Umweltgeräusche. 

So ergibt sich ?Musik im weiteren Sinne? Henry als Akustische Kunst?.(Frisenius) 

Eine grundlegende Klassifikation ergibt sich für Tonspieler/-innen durch die Festlegung ob es sich bei dem Tonmaterial um ein, Klang, Ton, Geräusch, Melodiebogen, Sprachsample oder Beatfragment handelt. Des Weiteren sind spezifische Angaben zur Herkunft, dass bedeutet eventuelle Quellenangaben über Komponist, Veröffentlichung und Erscheinungsjahr

ebenso erforderlich, falls es sich nicht um selbst produziertes Tonmaterial handelt. All diese Informationen werden in einer Klangbibliothek

abgespeichert und sind hilfreich, das verwendete Tonmaterial ausreichend zu beschreiben und bei Bedarf jederzeit wieder aufinden zu können.

 

Mittels der Anatonie wird das Tonmaterial strukturiert und somit für die musikalische Arbeit vorbereitet. Dazu gehört insbesondere die zeitliche Verlaufsstrecke des betreffenden Tonkörpers, die nach einem speziellen Visualisierungsprinzip in mehrere Etappen untergliedert wird. Somit werden die aufbauspezifischen Merkmale des Tonkörpers greifbar und können in der notationellen Arbeit genau beschrieben werden.

 

Bei der notationellen Arbeit werden nun die Informationen zum physikalischen Aufbau, sozusagen die vormusikalische Zubereitung des Tonmaterials signifikant. Neben der besprochenen Tonhöhe gehört in erster Linie der Zeitverlauf des Tonkörpers, seine tatsächliche Dauer dazu. Schließlich erzeugt das Tonspielzeug einen Klang nicht selbst, sondern es wird sich einer gewissen ?akustischen Materie?

mit einer bestimmten Ausgangsgröße bedient. Deshalb muss die Schriftsprache schon im Vorfeld an das verwendete Material angepasst werden bzw. umgekehrt.

 

Demnach ist ein zeitlicher Bezugswert notwendig, um beim Lesen einer Bewegung eine Vorstellung vom Klang zu haben. Das bedeutet, abhängig von Spieltempo und dem tatsächlichen Zeitwert der Aufzeichnung, ergibt sich die Bewegungsdauer, sprichdie Länge einer Plattenbewegung um das betreffende Tonmaterial

im Gesamten abzuspielen.

Jedoch sind noch weitere Einflussgrößen der Zeit elementar, speziell bei der Betrachtung der zeitlichen Verlaufsstrecke eines Tonkörpers. Dazu wird der Ton theoretisch in vier Abschnitte untergliedert. Der erste Bereich (Einschwingvorgang) kann dabei nochmals geteilt werden in: den sogenannten Attack, den Anstieg bis hin zur maximalen Lautstärke, und Decay, das Abklingen der Intensität auf darauffolgenden Sustain-Pegel. Dieser Haltepegel ist eine Art quasistationärer Schwingungszustand, in dem sich der Ton kaum ändert. Abschließend wechselt dieser über in das Release, um somit vom Sustain bis zu seinem Nullpunkt abzuklingen. Anhand einer beispielhaften Hüllkurve eines Ton wird dieser Aufbau nochmals verdeutlicht. S.130

 

Nach dieser Gliederung lassen sich die Verlaufsstrecke bzw. die zeitlichen Etappen eines Tonkörpers grundlegend definieren. Da die Steuerplatte mit der Hand berührt werden kann ist es möglich, jeden beliebigen Zeitintervall der Verlaufsstrecke des Tonmaterials anzusteuern, um von dieser Etappe aus eine akustische Bewegung auszuführen. Schon die Experimente von Pierre Schaeffer zeigten, dass sich dabei die Wirkung der Töne deutlich verändern lässt. Er entdeckte, dass ein Glockenklang dessen Einschwingungsvorgang versehentlich weggeschnitten wurde, dem Ton

einer Orgel sehr zu ähneln schien.(Palombini)

Die daraus resultierende Erkenntnis, dass die jeweilige Klangfarbe von Tönen maßgeblich vom Einschwingungsvorgang abhängt, führte zu neuartigen Möglichkeiten mit solchen zu experimentieren.

 

Auszug "Bewegungslehre" Kapitel 10 

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